Grußwort zum Forstfest 2018

Oberbürgermeister Roland Dantz
Oberbürgermeister Roland Dantz

"Nicht da ist man daheim, wo man seinen Wohnsitz hat,
sondern wo man verstanden wird."

- Christian Morgenstern -

Liebe Kamenzer Schülerinnen und Schüler, werte Gäste aus nah und fern, sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt,

der deutsche Schriftsteller und Dichter Christian Morgenstern hat schon Recht, wenn er – wenn auch in zugespitzter Form – weniger die materiellen Bedingungen, wie z.B. ein Haus, eine schöne Wohnung oder auch landschaftliche Gegebenheiten als Heimat ansieht, sondern mehr den Ort, wo die Menschen einander verstehen, wo sie sich geborgen fühlen, wo die Welt, zumindest für bestimmte Momente, vertraut und überschaubar erscheint. Der im Mittelalter lebende Theologe und Bischof Albertus Magnus hat diesen Umstand einmal so ausgedrückt: „Nicht die Mauern, sondern die Menschen machen eine Stadt.“ Sie sind es also, die eine Stadt mit Leben erfüllen, deren Interessen, Handlungen und Gespräche die städtische Atmosphäre bestimmen und dies nicht immer harmonisch. Stellen wir uns doch einmal vor – und es ist zugegebenermaßen sehr überzogen –, nur die Häuser, Plätze und Straßen wären da, alles intakt, aber keine Menschen. Wäre das noch eine Stadt, wie wir sie uns vorstellen, von Leben erfüllt?

Doch zurück aus der Welt der Gedankenspiele in das Jetzt, ins wirkliche Leben. Das Kamenzer Forstfest, unser Schul- und Heimatfest, ist einmal im Jahr der Zeitpunkt, der die Kamenzerinnen und Kamenzer zusammenführt und auch die, die in die Ferne auswanderten, ja auswandern mussten, zurückkehren, um die althergebrachten Gefühle von Gemeinsamkeit und Geborgenheit zu spüren. Was auswärtigen Besuchern sicher als ein attraktives Fest mit Blumen, Fahnen, Spiel und Gesang erscheint, hat für uns Kamenzer eine ganz andere und tiefere Bedeutung. Hier verbinden sich Generationen in einem Fest, das Gemeinschaft schafft, wo das Verständnis füreinander zu spüren ist. Neben Weihnachten, Ostern und Pfingsten ist das Forstfest eine Zeit, in der sich die Kamenzer Familien oder die Freunde von damals treffen, um dieses besondere Etwas, was Gemeinschaft vermitteln kann, zu erfahren.

Dass dies so ist, hängt nicht nur damit zusammen, dass unser Forstfest einen hohen Schauwert hat, den man genießen kann, vielmehr hängt es damit zusammen, dass es ein Fest von Kamenzern für Kamenzer ist. Auch darin liegt das besondere Fluidum, welches alljährlich in der Woche um den Bartholomäustag, dem 24. August, entsteht und lange nachwirkt. Viele fleißige Hände sorgen dafür, dass das Forstfest zu dem Fest wird, wie wir es kennen und mögen. Ja, und ich wiederhole mich gern jedes Jahr und danke den Beteiligten, wie den Gewerbetreibenden und Unternehmern der Stadt, den Gärtnereibetrieben und der KDK GmbH, den Mitgliedern des Forstfestvereins und des Forstfestkomitees, den Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr, den Kirchen und Sportvereinen, den Schützen und den Rankewindern, dem Deutschen Roten Kreuz und den Musikkapellen, der Blütenkönigin Julia I. und nicht zuletzt den Mitarbeitern der Stadtverwaltung sowie den hier nicht Genannten, die aber alle zum Gelingen unseres Heimatfestes beitragen. Mein besonderer Dank gilt den Eltern und Großeltern, die liebevoll ihre Kinder oder Enkel in festlichem Weiß einkleiden, sowie den Schülerinnen und Schülern, die stolz und blumengeschmückt mit ihren Lehrerinnen und Lehrern am Montag und Donnerstag durch unsere Stadt schreiten. Solange es das Forstfest in dieser Form gibt und so gelebt wird, muss uns um Kamenz nicht bange sein.

Ich wünsche uns allen ein schönes Forstfest, welches wir auch in diesem Jahr ausgelassen und mit Frohsinn begehen wollen. Erleben wir das quirlige Treiben im Forst, genießen wir die prächtigen Festumzüge und freuen uns auf die vielen Begegnungen, die diese besondere Kamenzer Zeit prägen.

 

Ihr

Roland Dantz

Oberbürgermeister

der Lessingstadt Kamenz