Grußwort zum Forstfest 2026

Oberbürgermeister Michael Preuß
Oberbürgermeister Michael Preuß

LIEBE KAMENZER SCHÜLERINNEN UND SCHÜLER, SEHR GEEHRTE BÜRGERINNEN UND BÜRGER UNSERER STADT, WERTE GÄSTE AUS NAH UND FERN,

ich freue mich, dass ich Sie als Oberbürgermeister das erste Mal zum Kamenzer Forstfest begrüßen darf. Dies ist nur möglich, weil mir ein Großteil der Kamenzerinnen und Kamenzer am 28. September 2025 sein Vertrauen gegeben hat, wofür ich mich hier ausdrücklich noch einmal bedanke. Zugleich möchte ich betonen, dass ich mich als Oberbürgermeister aller Einwohnerinnen und Einwohner in Kamenz verstehe; gleich, ob sie im inneren Bereich der Stadt oder in den zwanzig Ortsteilen beheimatet sind. Für mich zählt Gemeinschaft, zählt Vertrauen, und ich weiß, dass das hohe Güter sind, an denen man unentwegt arbeiten muss, und die man nicht leichtsinnig aufs Spiel setzen darf.

DAS KAMENZER FORSTFEST EIN FEST VON ALLEN FÜR ALLE

Und steht nicht auch unser Forstfest – neben vielem anderen – für Gemeinschaft, für Vertrauen? Es ist ein Fest von Kamenzern für Kamenzer, denn ohne das Mittun der zahlreichen Menschen in unserer Stadt würden wir nicht das Ergebnis erreichen, was wir jedes Jahr wollen und herbeisehnen.

Ich weiß dabei, neben dem Stadtrat und der Verwaltung, großartige Partner an meiner Seite. Genannt seien hier an erster Stelle der Förderverein Kamenzer Forstfest e.V. und das Forstfestkomitee, die sich vehement für die Erhaltung unserer Tradition einsetzen, aber auch für die notwendige organisatorische Vorbereitung und Umsetzung Sorge tragen. Und kommt dann, wenn die weißgekleideten, Blumen tragenden Schülerinnen und Schüler, begleitet von diversen Musikkapellen, durch die festlich geschmückte Stadt schreiten, nicht dieses besondere Forstfestgefühl auf?

Die Eltern, vielleicht auch die Großeltern, haben sich die Mühe gemacht, die Blumen und die weiße Kleidung zu besorgen, denn schon am ersten Umzugstag, dem Montag, muss alles sitzen, muss alles stimmen. Der notwendige Vorbereitungsstress ist gepaart mit Vorfreude. Ich habe dies als Kind selbst erlebt und erfahre es als Vater dreier Kinder Jahr für Jahr. Ich kenne, so gesehen, das Forstfest aus beiden Perspektiven. Und nun als Stadtoberhaupt diese Verantwortung fürs Ganze zu tragen, ist eine besondere Ehre für mich.

SEIT 2021 TEIL DES IMMATERIELLEN KULTURERBES

Wir bilden uns den Wert der Tradition unseres Schul- und Heimatfestes nicht nur ein, wir wissen es. Sollte es daran wirklich Zweifel gegeben haben, dann wurden diese 2021 mit der Eintragung des Kamenzer Forstfestes in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes, dessen Logo auch das vorliegende Forstfestheft ziert, zerstreut oder zumindest sehr relativiert. Denn nun war es Kamenz auch von außen bestätigt worden, dass wir mit unserem Fest – und so, wie wir es gemeinsam leben – einen Schatz haben, der uns von den vorangegangenen Generationen übergeben wurde. Ganz im Sinne des Zeitgenossen von Lessing, Johann Wolfgang von Goethe, der im „Faust“ seine gleichnamige Hauptfigur sagen lässt: „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen.“ (Heute würde man berechtigterweise sicherlich die Mütter auch benennen.) Und Goethe fährt fort mit dem Satz „Was man nicht nützt, ist eine schwere Last.“ Und meint, nur durch Gebrauch, das Tun damit, wird Ererbtes wert- und sinnvoll. Darin folgend wollen wir auch das Forstfest in diesem Jahr begehen.

EIN KLEINER SENSATIONS-FUND FÜR DIE KAMENZER GESCHICHTE

Lassen Sie mich zum Abschluss noch ein Wort im Zusammenhang mit dem Schauturnen der Kamenzer Schulen und Sportvereine verlieren, denn hier ist es unserem Stadtarchivar Thomas Binder – auch ein Hüter des kulturellen Gedächtnisses der Stadt – gelungen, einen kleinen Schatz zu heben. Der hat zwar nur mittelbar mit dem Forstfestturnen zu tun, stellt aber trotzdem ein bemerkenswertes Detail Kamenzer Stadtgeschichte dar. Mehr durch Zufall wurden bei einem Treffen des Mitteldeutschen Archivnetzwerkes Resultate erfolgreicher Erfassungsarbeiten von Beständen gezeigt, darunter auch der Beleg eines Werbefilms des Turnvereins Kamenz 1846 e.V., der vermutlich 1928 gedreht wurde. Inhalt des ca. fünfminütigen Films ist die Werbung für eine damals offenbar dringend benötigte Turnhalle. Fast könnte man, unter Absehung aller historischen Umstände, sagen, wie sich doch die Bilder gleichen. Es ist geplant, den Film noch in diesem Jahr, eingebettet in einen Vortrag des Stadtarchivars, der Öffentlichkeit zu zeigen.

Doch zunächst wünsche ich uns allen ein schönes Forstfest, bei bestem Wetter und mit vielen Begegnungen. Erfreuen wir uns an den Melodien beim Eröffnungskonzert, an den Festumzügen, dem ausgelassenen Treiben im Spittelforst, haben wir Spaß beim Schauturnen und bei den vielen Platzkonzerten, erstaunen wir über die Lichtfontänen beim Höhenfeuerwerk am Mittwoch, wetteifern wir miteinander beim Adlerschießen – genießen wir einfach das Leben und die Gemeinsamkeit.

 

Michael Preuß

Oberbürgermeister der Lessingstadt Kamenz

 

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